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Das Natterkrönlein.
The Little Crown of the Adder.
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Alte Großväter und Großmütter haben schon oft ihren Enkeln und Urenkeln erzählt von schönen Schlangen, die goldene Krönlein auf ihrem Haupte tragen; diese nannten die Alten mit mancherlei Namen, als Otterkönig, Krönleinnatter, Schlangenkönigin und dergleichen, und sie haben gesagt, der Besitz eines solchen Krönleins bringe großes Glück.
Old grandfathers and grandmothers have often told their grandchildren and great-grandchildren of beautiful snakes that wear little golden crowns upon their heads; the old folks called them by many names, such as Adder King, Crowned Adder, Snake Queen, and the like, and they said that possessing such a little crown brought great good fortune.
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Bei einem geizigen Bauer diente eine fromme, mildherzige Magd, und in seinem Kuhstalle wohnte auch eine Krönleinnatter, die man zuweilen des Nachts gar wunderschön singen hörte, denn diese Nattern haben die Gabe, schöner zu singen als das beste Vögelein.
A pious, kind-hearted maid served a stingy farmer, and in his cow barn also lived a crowned adder, which could sometimes be heard singing most beautifully at night, for these adders have the gift of singing more sweetly than the finest little bird.
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Wenn nun die treue Magd in den Stall kam und die Kühe molk oder sie fütterte und ihnen streute -- was sie mit großer Sorgfalt tat, denn ihres Herrn Vieh ging ihr über alles, -- da kroch manchmal das Schlänglein, welches so weiß war wie ein weißes Mäuschen, aus der Mauerspalte, darin es wohnte, und sah mit klugen Augen die geschäftige Dirne an, und dieser kam es immer vor, als wolle die Schlange etwas von ihr haben.
Now when the faithful maid came into the barn to milk the cows or feed and bed them -- which she did with great care, for her master's livestock meant everything to her -- the little snake, which was as white as a white little mouse, would sometimes crawl out of the crevice in the wall where it lived and look at the busy girl with clever eyes, and it always seemed to her as if the snake wanted something from her.
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Und da gewöhnte sie sich, in ein kleines Untertäßchen etwas kuhwarme Milch zu lassen, um dem Schlänglein dieses hinzustellen, und das trank die Milch mit gar großem Wohlbehagen und wendete dabei sein Köpfchen, und da glitzerte das Krönlein wie ein Demant oder ein Karfunkelstein und leuchtete ordentlich in dem dunkeln Stalle.
And so she got into the habit of leaving a little warm milk from the cows in a small saucer to set before the little snake, and it drank the milk with great relish, turning its little head as it did, and the little crown glittered like a diamond or a carbuncle stone, glowing brightly in the dark barn.
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Die gute Dirne freute sich über die weiße Schlange gar sehr und nahm auch wahr, daß, seit sie dieselbe mit Milch tränkte, ihres Herrn Kühe sichtbarlich gediehen, viel mehr Milch gaben, stets gesund waren und sehr schöne Kälbchen brachten, worüber sie die größte Freude hatte.
The good maid took great delight in the white snake and also noticed that ever since she had been giving it milk, her master's cows visibly thrived, gave much more milk, were always healthy, and bore very fine calves, which brought her the greatest joy.
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Da traf sich’s einmal, daß der Bauer in den Stall trat, als just die Krönleinnatter ihr Tröpfchen Milch schleckte, das ihr die gute Dirne hingestellt; und weil er geizig und habsüchtig über alle Maßen war, so fuhr er gleich so zornig auf, als ob die arme Magd die Milch eimerweise weggeschenkt hätte.
Then it so happened one day that the farmer walked into the barn just as the crowned adder was lapping up its drop of milk that the good maid had set down for it; and because he was miserly and greedy beyond measure, he flew into a rage at once, as if the poor maid had given the milk away by the bucketful.
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„Du nichtsnutze Dirn’, die du bist!“
"You good-for-nothing wench!"
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schrie der böse Bauer.
shouted the wicked farmer.
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„So gehst du also um mit Hab und Gut deines Herrn? Schämst du dich nicht der Sünde, einen solchen giftigen Wurm, der ohnedies den Kühen zur Nacht die Milch aus den Eutern zieht, auch noch zu füttern und in den Stall zu gewöhnen? Hat man je so etwas erlebt? Schier glaub’ ich, daß du eine böse Hexe bist und dein Satanswesen treibst mit dem Teufelswurm!“
"Is that how you handle your master's goods and property? Aren't you ashamed of the sin of feeding such a venomous worm -- which sucks the milk from the cows' udders at night anyway -- and getting it accustomed to the barn? Has anyone ever heard of such a thing? I almost believe you're a wicked witch and doing your satanic deeds with the devil's worm!"
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Die arme Dirne konnte diesem Strome harter Vorwürfe nur mit reichlich geweinten Tränen begegnen; aber der Bauer kehrte sich nicht im mindesten daran, daß sie weinte, sondern er schrie und zankte sich immer mehr und mehr in den vollen Zorn hinein, vergaß alle Treue und allen Fleiß der Magd und fuhr fort zu wettern und zu toben:
The poor maid could only answer this stream of harsh accusations with a flood of tears; but the farmer did not care in the least that she was crying, but shouted and scolded himself further and further into a full fury, forgetting all the maid's loyalty and diligence, and continued to storm and rave:
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„Aus dem Hause, sag’ ich, aus dem Hause! Und auf der Stelle! Ich brauche keine Schlangen als Kostgänger! Ich brauche keine Milchdiebinnen und Hexendirnen! Gleich schnürst du dein Bündel, aber gleich und machst, daß du aus dem Dorfe fort kommst, und läßt dich nimmer wieder hier blicken, sonst zeig’ ich dich an beim Amt, da wirst du eingesteckt und kriegst den Staupbesen, du Hexendirne!“
"Out of the house, I say, out of the house! And this instant! I don't need snakes as boarders! I don't need milk thieves and witch-wenches! You bundle your belongings right now, right now, and get yourself out of the village, and don't ever show your face here again, or I'll report you to the magistrate, and you'll be locked up and whipped at the post, you witch-wench!"
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Laut weinend entwich die so hart gescholtene Magd aus dem Stalle, ging hinauf in ihre Kammer, packte ihre Kleider zusammen und schnürte ihr Bündlein, und dann trat sie aus dem Hause und ging über den Hof.
Weeping aloud, the so harshly scolded maid fled from the barn, went up to her room, packed her clothes, tied up her bundle, and then stepped out of the house and walked across the yard.
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Da wurde ihr weh ums Herz, im Stalle blöckte ihre Lieblingskuh. -- Der Bauer war weiter gegangen; sie trat noch einmal in den Stall, um gleichsam im stillen und unter Tränen Abschied von ihrem lieben Vieh zu nehmen; denn frommem Hausgesinde wird das Vieh seiner Herrschaft so lieb, als wäre es sein eigen.
Her heart grew heavy as her favorite cow lowed in the barn. -- The farmer had moved on; she stepped into the barn once more to bid a quiet, tearful farewell to her beloved cattle, as it were; for to pious servants, their master's livestock becomes as dear as if it were their own.
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Daher pflegt man auch zu sagen, im ersten Dienstjahre spricht die Magd: meines Herrn Kuh, im zweiten: unsere Kuh, und im dritten und in allen folgenden: meine Kuh.
That is why people tend to say: in the first year of service, the maid says, 'my master's cow'; in the second, 'our cow'; and in the third and all that follow, 'my cow.'
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Und da stand nun die Dirn’ im Stalle und weinte sich aus und streichelte noch einmal jede Kuh, und ihr Liebling leckte ihr noch einmal die Hand -- und da kam die Schlange mit dem Krönlein auch gekrochen.
And so the maid stood in the barn, weeping her heart out and stroking each cow once more, and her favorite licked her hand one last time -- and then the snake with the little crown came crawling out, too.
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„Leb’ wohl, du armer Wurm, dich wird nun auch niemand mehr füttern.“
"Farewell, you poor worm; now no one will feed you anymore either."
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Da hob sich das Schlänglein empor, als wollte es ihr seinen Kopf in ihre Hand legen, und plötzlich fiel das Natterkrönlein in des Mädchens Hand, und die Schlange glitt aus dem Stalle, was sie nie getan.
Then the little snake raised itself up as if it wanted to lay its head in her hand, and suddenly the adder's little crown fell into the girl's hand, and the snake slithered out of the barn, which it had never done before.
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Das war ein Zeichen, daß auch sie aus dem Hause scheide, wo man ihr fürder nicht mehr ein Tröpflein Milch gönnen wollte.
That was a sign that it, too, was departing from the house where no one would grudge it even a drop of milk any longer.
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Jetzt ging die arme Dirne ihres Weges und wußte nicht, wie reich sie war.
Now the poor maid went on her way, not knowing how rich she was.
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Sie kannte des Natterkrönleins große Tugend nicht.
She did not know the great power of the adder's little crown.
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Wer es besitzt und bei sich trägt, dem schlägt alles zum Glücke aus, der ist allen Menschen angenehm, dem wird eitel Ehre und Freude zuteil.
Whoever possesses it and carries it with them finds that everything turns out for their good fortune, is pleasing to all people, and receives nothing but honor and joy.
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Draußen vor dem Dorfe begegnete der scheidenden Magd der reiche Schulzensohn, dessen Vater vor kurzem gestorben war, der schönste junge Bursche des Dorfes; der gewann gleich die Dirne lieb, und er grüßte sie und fragte sie, wohin sie gehe und warum sie aus dem Dienst scheide.
Out outside the village, the departing maid met the rich headman's son, whose father had recently died and who was the handsomest young fellow in the village; he instantly took a liking to the girl, greeted her, and asked her where she was going and why she was leaving her service.
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Da sie ihm nun ihr Leid klagte, hieß er sie zu seiner Mutter gehen, und sie solle dieser nur sagen, er sende sie.
When she then lamented her sorrow to him, he told her to go to his mother and simply tell her that he had sent her.
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Wie nun die Dirne zu der alten Frau Schulzin kam und ausrichtete, was der Schulzensohn ihr aufgetragen, da faßte die Frau gleich ein großes Vertrauen zu ihr und behielt sie im Hause, und als am Abende die Knechte und die Mägde des reichen Bauern zum Essen kamen, da mußte die Neuaufgenommene das Tischgebet sprechen, und da deuchte allen, als flössen des Gebetes Worte von den Lippen eines heiligen Engels, und wurden alle von einer wundersamen Andacht bewegt und gewannen zu der Dirne eine große Liebe.
Now when the maid came to the old headman's widow and delivered what the headman's son had instructed her, the woman immediately conceived great trust in her and kept her in the house; and when the farmhands and maids of the rich farmer came to eat that evening, the newly received girl had to say the blessing, and it seemed to all as though the words of the prayer flowed from the lips of a holy angel, and they were all moved by a wondrous devotion and grew to love the maid dearly.
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Und als abgegessen war und die fromme Dirne wieder das Gebet und den Abendsegen gesprochen hatte und das Gesinde die Stube verlassen, da faßte der reiche Schulzensohn die Hand der ganz armen Dirne und trat mit ihr vor seine Mutter und sagte:
And when the meal was finished and the pious maid had spoken the prayer and evening blessing once more, and the servants had left the room, the rich headman's son took the hand of the exceedingly poor maid, stepped before his mother with her, and said:
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„Frau Mutter segnet mich und die -- denn die nehm’ ich zur Frau oder keine. Sie hat mir’s einmal angetan!“
"Mother, give your blessing to me and to her -- for I will take her as my wife, or none at all. She has truly enchanted me!"
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„Sie hat’s uns allen angetan“, antwortete die alte Frau Schulzin.
"She has enchanted us all," answered the old headman's widow.
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„Sie ist so fromm, als sie schön ist und so demütig, als sie makellos ist. Im Namen Gottes segne ich dich und sie und nehme sie vom Herzen gerne zur Tochter.“
"She is as pious as she is beautiful, and as humble as she is blameless. In the name of God, I bless you and her, and take her into my heart gladly as my daughter."
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So wurde die arme Magd zu des Dorfes reichster Frau und zu einer ganz glücklichen noch dazu.
Thus the poor maid became the richest woman in the village, and a thoroughly happy one at that.
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Mit jenem geizigen Bauer aber, der um die paar Tröpflein Milch sich so erzürnt und die treueste Magd aus dem Hause getrieben, ging es baldigst den Krebsgang.
As for that miserly farmer, however, who had grown so enraged over a few tiny drops of milk and driven his most faithful maid from the house, things soon went downhill.
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Mit der Krönleinnatter war all sein Glück hinweg, er mußte erst sein Vieh verkaufen, dann seine Äcker, und alles kaufte der reiche Schulzensohn, und seine Frau führte die lieben Kühe, die nun ihre eigenen waren, mit grünen Kränzen geschmückt in ihren Stall und streichelte sie und ließ sich wieder die Hände von ihnen lecken und molk und fütterte sie mit eigener Hand.
With the crowned adder all his good fortune had departed; he had to sell first his cattle, then his fields, and the rich headman's son bought everything up; and his wife led the dear cows, which were now her own, into her barn adorned with green wreaths, stroking them and letting them lick her hands again, and milking and feeding them with her own hands.
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Auf einmal sah sie bei diesem Geschäfte die weiße Schlange wieder.
Suddenly, while busy at this work, she saw the white snake again.
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Da zog sie schnell das Krönlein hervor und sagte.
Thereupon she quickly pulled out the little crown and said:
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„Das ist schön von dir, daß du zu mir kommst. Nun sollst du auch alle Tage frische Milch haben, so viel du willst, und da hast du auch dein Krönlein wieder mit tausend Dank, daß du mir damit so wohl geholfen hast. Ich brauch’ es nun nicht mehr, denn ich bin reich und glücklich durch Liebe, durch Treue und durch Fleiß.“
"How kind of you to come to me. Now you shall have fresh milk every day, as much as you wish, and here is your little crown back with a thousand thanks for helping me so well with it. I no longer need it now, for I am rich and happy through love, through loyalty, and through diligence."
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Da nahm die weiße Schlange ihr Krönlein wieder und wohnte in dem Stalle der jungen Frau, und auf deren ganzem Gute blieb Friede, Glück und Gottes Segen ruhen.
Then the white snake took its little crown back and lived in the young woman's barn, and peace, good fortune, and God's blessing rested upon her entire estate ever after.